Professor Dr. Plath

Ausweis für Schwerbehinderte  -  Grad der Behinderung

In Nr. 122 des „Sprachrohr“ (Seite 32) trägt Norbert Soltau sein Problem mit dem Versorgungsamt vor, das den Grad der Behinderung von bisher 100 auf 70 reduzierte und gleichzeitig die Merkzeichen „G“ und „RF“ ersatzlos gestrichen hat. Diese Rückstufung trifft ihn natürlich erheblich, und er fragt nach Informationen, die ihm helfen, gegen diese Rückstufung anzugehen.

Maßgeblich für die Einstufung des Grades der Behinderung (GdB, der nicht in Prozent angegeben wird) sind die „Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit“ in ihrer letzten vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung 2004 herausgegebenen Fassung. Darin heißt es unter Ziffer 26.7 auf Seite 65:

Ausweis für Schwerbehinderte  -  Grad der Behinderung

Verlust des Kehlkopfes bei guter Ersatzstimme und ohne Begleiterscheinungen, unter Mitberücksichtigung der Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit (fehlende Bauchpresse)

GdB  70

In allen anderen Fällen

GdB  80

Anhaltende schwere Bronchitiden und Beeinträchtigungen durch Nervenlähmungen im Hals- und Schulterbereich sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Bei Verlust des Kehlkopfes wegen eines malignen Tumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten; während dieser Zeit

GdB 100

Dies bedeutet: In den ersten 5 Jahren nach der operativen Entfernung des Kehlkopfes (Laryngektomie) wegen einem bösartigen Tumor beträgt der GdB stets 100, unabhängig vom Ausmaß der Folgen der Operation. Nach Ende der sogenannten Heilungsbewährung, also 5 Jahre nach der Laryngektomie, wird der GdB nach den tatsächlichen Behinderungen festgelegt. Ein Basiswert von 70 bleibt in allen Fällen bestehen, zusätzlich müssen weitere Behinderungen und Beeinträchtigungen berücksichtigt werden, z.B. schlechte Ersatzstimme und Lähmungen im Bereich des Halses und der Schultern. In vielen Fällen ergibt sich schon alleine aus der schlecht verständlichen Sprache oder Störungen in der Schulterbeweglichkeit ein GdB von 80. Die erfolgreiche Verwendung einer technischen Sprachhilfe hat keinen Einfluss auf die Schätzung des GdB, so wie auch die Verwendung eines Hörgerätes den durch die Schwerhörigkeit verursachten GdB nicht ändert. In Streitfällen muss die Kommunikationsfähigkeit durch ein phoniatrisches Gutachten eines Arztes für Stimm- und Sprachstörungen beurteilt werden.

Wichtig ist, dass zusätzlich bestehende Behinderungen berücksichtigt werden, die nicht mit der Laryngektomie in Zusammenhang stehen. Deshalb müssen alle sonstigen Erkrankungen, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen oder zu Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen im Alltagsleben führen, dem Versorgungsamt angegeben und durch ärztliche Bescheinigungen belegt werden.

Dies wird leider oft übersehen und hat zur Folge, dass die Feststellung des GdB durch das Versorgungsamt diese zusätzlich bestehenden Behinderungen nicht berücksichtigen kann. Chronische Krankheiten, die nicht einer regelmäßigen Behandlung bedürfen,  wie zum Beispiel angeborene oder erworbene Missbildungen oder Sprachstörungen, Stoffwechselkrankheiten wie z.B. eine Zuckerkrankheit, Hör- und Sehbehinderungen, Tinnitus, Schwindel, Allergien und viele andere „alltägliche“ Gesundheitsstörungen, an die sich die Betroffenen gewöhnt haben, werden in vielen Fällen nicht dem Versorgungsamt angegeben und können dann bei der Feststellung des GdB auch nicht berücksichtigt werden.

Viele Widersprüche und gerichtliche Verfahren wären unnötig, wenn die Betroffenen sich in dieser Hinsicht richtig verhalten würden. Leider sind sie über die Notwendigkeit einer vollständigen Angabe aller Behinderungen und Beeinträchtigungen oft nicht oder nur unzureichend informiert.

 

Prof. Dr.med. Peter Plath      

 

 

 

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